Katholische Kirchengemeinde St. Franziskus, Bremen

Katholische Kirchengemeinde St. Franziskus, Bremen

Impulse

Nicht in den Alltagssorgen ersticken

In Bremen sind wir in den Sommerferien angekommen. Auch wenn dieses Jahr für so manche Ferienzeit nicht gleich Reisezeit bedeutet, veröffentlichen wir nun jeweils einen Impuls in der Woche für die Werktage und einen für den Sonntag.

Diese 16. Woche im Jahreskreis des Kirchenjahres wird durch drei Heiligenfeste aufgebrochen: Das Fest der Heiligen Maria Magdalena am Mittwoch, das der Heiligen Birgitta von Schweden am Donnerstag und das des Apostels Jakobus am Samstag.

Wenn ich auf die biblischen Texte der Woche insgesamt schaue, dann beeindrucken mich zwei Dinge ganz besonders: 1. Das Tagesevangelium vom Freitag gehört zum Höhepunkt und zur Mitte des Matthäusevangeliums: Es ist die Deutung des Gleichnisses vom Sämann (Kap. 13, Verse 18-23). Und 2. Das Zurechtweisen Jesu zwei seiner engsten Freunde, der Zebedäussöhne, die gerne Platzreservierungen für das Reich Gottes hätten – und zwar die Logenplätze rechts und links neben Jesus (Matthäus Kap 20, Verse 20-28).

1. Der Evangelist übersetzt für seine Gemeinde die Gleichnisrede Jesu vom Ausbreiten der Frohen Botschaft und wie sie unterschiedlich aufgenommen wird. Es ist für mich nach wie vor ein Abbild der gegenwärtigen Zeit mit ihren Reaktionen auf das Konfrontiertsein mit der christlichen Botschaft: Da gibt es die, die zwar Ohren haben zum Hören, im Grunde aber weghören, weil sie meinen, was die Botschaft zu sagen habe, gehe sie nichts an. Da frage ich mich dann, wie vielen nichtigen, falschen und unnützen „Botschaften“ schenken wir Aufmerksamkeit: Werbung, Prominententratsch, fake news usw. Die wirklich existentiell uns betreffenden Dinge, wie Frieden, Beziehungsglück, soziale Gerechtigkeit und Erhaltung der natürlichen Lebensbedingungen schieben wir vor uns her.

Und dann gibt es die schnell Begeisterungsfähigen, die aber keine Ausdauer, keine Konstanz haben; die frohe Botschaft bewährt sich erst im grauen Alltag, nicht in so manchen tollen und hervorstechenden Momenten. Dann gibt es noch die, die das Wort Gottes eigentlich als Befreiung erkennen, aber sprichwörtlich in ihren Alltagssorgen ersticken und vor lauter Geschäftigkeit oder verschiedensten Ängsten an diese gefesselt bleiben und die ausgestreckte Hand nicht fassen und damit die Ängste loslassen können.

Diejenigen aber, die gut zu- und hinhören, die Aufmerksamen, die verstehen die Botschaft von der liebenden Zuwendung Gottes inmitten des alltäglichen Lebens und es befreit sie dazu, ihr Leben anders zu sehen und anders zu leben – nämlich in liebender Zuwendung zu den Mitmenschen und somit zu Gott.

2. Und auch das kennen wir aus dem ganz normalen Leben: da will die Mutter ihrer beiden Söhne, die zum engsten Freundeskreis Jesu zählen, Sonderbedingungen für die beiden bei Jesus aushandeln, wenn es um die Platzvergabe im Reich Gottes geht. Der Hintergrund dazu: Ein herausragendes Bild für die Glückseligkeit in der Bibel ist das Festmahl mit Gott, das kein Ende hat. Und in der Vorstellung von Jesus als dem Messias – dem Königssohn Gottes – muss es doch die Ehrenplätze rechts und links neben ihm geben. Klar, dass die übrigen Gefährten sauer sind. Doch diesem Ansinnen erteilt Jesus gleich eine Abfuhr: Wenn es in der Welt und in den Gesellschaften so zugeht, dass die Mächtigen unterdrücken und die anderen sich ein Stück des Kuchens oder einen Platz an der Sonne sichern wollen, zum Beispiel durch das Ausnutzen von Beziehungen, sogenannten „Seilschaften“, dann soll es unter den Freunden Jesu anders sein: „wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein“ (Vers 27).

Wenn ich so auf das Verständnis von „Hierarchie“ in der Kirche schaue und die internen Machtverhältnisse, dann möchte ich den Satz Jesu uns allen als Spiegel vorhalten. Denn da geht es nicht nur um klerikale Macht und die Zulassung von Frauen zum Priesteramt oder um Kirche der Beteiligung und mehr Macht in den Händen der „normalen“ Christgläubigen. Da geht es um einen Mentalitätswandel bei allen Gläubigen, die ihre Plätze – und sei es nur die in der Kirchbank – reserviert haben wollen; da geht es um die, die meinen, sie hätten Anspruch auf ein Sitz im Himmel, weil sie so fromm und rechtschaffen sind.

Gegen den hoffnungslosen Versuch, sich durch Einflussnahme und besondere Leistungen aus Not und Elend und sogar vor dem Tod zu retten, wettern nicht nur die Propheten des Alten Testaments wie das Buch Micha (Lesungen vom Montag und Dienstag, Kap. 6 und 7) mit dem Wahlspruch „Nicht Opfer will ich sondern Gerechtigkeit“. Auch der Apostel Paulus betont in der Lesung vom Samstag (2. Brief an die Korinther, Kap 4, Verse 7-15), dass sich Gottes Barmherzigkeit und zuvorkommende Liebe gerade in unseren Schwachheiten und unsrer irdischen Gebrechlichkeit zeigt. Sich mit kleinen Gesten der Zuneigung und Sympathie beschenkt zu wissen, ändert alles. Von solchen Momenten inmitten des auch in den Ferien fortlaufenden Alltags wünsche ich Ihnen ganz viele.

Michael Kosubek
(Pastoralreferent)


Wochenimpuls 20. - 25.07.2020
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